Bundesvereinigung Recycling-Baustoffe e. V.

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Gepostet am 12. April 2016 in News

NRW: Neuer RC-Leitfaden führt durch die Welt der Recycling-Baustoffe

Für Umweltschutz und Kreislaufwirtschaft: Broschüre geht an alle NRW-Kommunen – Eine bislang einmalige Initiative zwischen Rohstoffwirtschaft, Politik und Verwaltung soll Umweltschutz und Kreislaufwirtschaft in Nordrhein-Westfalen deutlich stärken und Akzeptanz und Einsatz von Recycling-Baustoffen erhöhen.

Nach zweijähriger Arbeit liegt nun ein Leitfaden vor, der öffentliche wie private Bauherren über die Vorteile und den richtigen Einsatz von recyclierten Baustoffen (RC-Baustoffen) informiert; er wird an alle Kommunen in NRW verteilt. Damit will man auch einen praktischen Beitrag leisten zur Schonung von Ressourcen und von Deponieraum.

Mineralische Abfälle machen  in Deutschland den größten Massenstrom aus; es fallen in der Bundesrepublik jährlich rund 200 Mio. Tonnen an. Allein  in NRW liegt die Jahresmenge bei 40 Mio. Tonnen. Zu den mineralischen Abfällen zählen Bau- und Abbruchabfälle wie etwa Bauschutt, Boden und Steine sowie Straßenaufbruch, aber auch Hochofen- und Stahlwerksschlacken sowie Aschen und Schlacken aus Kraftwerken und anderen Verbrennungsprozessen.

Mineralische Abfälle sind gleichzeitig eine wichtige sekundäre Rohstoffquelle für die Herstellung von RC- oder Ersatzbaustoffen. Es handelt sich um aufbereitete Gesteinskörnungen. Das Inputmaterial entstammt im Wesentlichen Bautätigkeiten wie Neu-, Aus-, Um-, Rückbau, Abriss, Erhaltung von Hoch- und Tiefbauten wie Straßen, Wegen, Flugplätzen und sonstigen Verkehrswegen sowie aus der Produktion mineralischer Baustoffe.

Mit dem neuen „Handlungsleitfaden zur Produktion und Verwendung von güteüberwachten Recycling-Baustoffen im Straßen- und Erdbau in Nordrhein-Westfalen“ wolle man einen wichtigen Schritt machen in Richtung auf das gemeinsame Ziel einer weitgehenden Kreislaufwirtschaft. „Diese Informationsschrift ist ein deutliches Signal, welches Wirtschaft, Politik und Verwaltung gemeinsam setzen. Wir brauchen bei RC-Baustoffen eine höhere Akzeptanz bei den Bauherren, und das geht nur durch Aufklärung und Information“, sagt Berthold Heuser, der Vorsitzende der Fachgruppe „Recycling-Baustoffe“ im vero (Verband der Bau- und Rohstoffindustrie e.V.). „Wir haben ganz bewusst keine werbe-, sondern eine Informationsbroschüre entwickelt“, ergänzt die Geschäftsführerin der BRB (Bundesvereinigung Recycling-Baustoffe e.V.), Jasmin Klöckner. “Hier geht es um mehr als um die Erhöhung von Absatzzahlen. Kreislaufwirtschaft ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

Die BRB und die Fachgruppe „Recycling-Baustoffe“ im vero haben den Leitfaden federführend entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Umwelt- und dem Verkehrsministerium NRW sowie dem Landesbetrieb Straßenbau NRW. Mitgearbeitet haben auch die drei kommunalen Spitzenverbände in Nordrhein-Westfalen, der Landkreistag, der Städtetag und der Städte- und Gemeindebund sowie die Bundesgütegemeinschaft Recycling-Baustoffe e.V. und der Straßen- und Tiefbau-Verband NRW.

Heuser lobt die gemeinsame Arbeit am Leitfaden, sieht aber in der Praxis noch erhebliche Defizite, wenn es um den Einbau von RC-Baustoffen geht: „Noch immer wird die öffentliche Hand ihrer Vorbildfunktion nicht vollständig gerecht. Zu häufig noch scheuen sich öffentliche Auftraggeber davor, die Verwendung von RC-Baustoffen zuzulassen, zu viele öffentliche Ausschreibungen erfolgen unberechtigt und alternativlos zugunsten von Primärbaustoffen.“ Die Ursachen seien oftmals fehlendes Fachwissen um die Verwendungsmöglichkeiten von RC-Baustoffen und die rechtlichen Rahmenbedingungen, aber auch fehlende Bereitschaft, diese Materialien zu verwenden.

Dabei sei die Qualitätssicherung von RC-Baustoffen grundlegende Voraussetzung für deren Akzeptanz, sagt Jasmin Klöckner: „Deshalb beschreibt der Leitfaden die Stufen der kontinuierlichen Güteüberwachung, die nicht nur vom Hersteller bzw. Aufbereiter selbst, sondern auch von anerkannten Prüfinstituten regelmäßig vorzunehmen ist. Gegenüber dem Bauherrn und den Überwachungsbehörden ist die spezifische Qualität in Form von Prüfzeugnissen und Testaten nachzuweisen.“ Das Material werde etwa geprüft auf seine stoffliche Zusammensetzung, auf Frostbeständigkeit, Korngrößenverteilung und Kornform oder seine Reinheit. Die Prüfung erfolge genau nach denselben Regelwerken und denselben Maßstäben, die auch für den Einsatz von Primärbaustoffen gelten, so die BRB-Geschäftsführerin.

Vielfach ließen sich ohne Qualitätsverlust und ohne Risiko RC-Baustoffe verwenden, etwa als Frostschutzschichten bei Straßen oder bei Parkplätzen. Solche Entscheidung sollte man von Seiten der Politik und der öffentlichen Hand fördern, sagen Heuser und Klöckner. Produktneutrale Ausschreibungen, die nicht zwischen Primär- und RC-Baustoffen unterschieden,  sollten zur Pflicht gemacht werden. Dann zeige sich auch, dass Ersatzbaustoffe vielfach wirtschaftlich günstiger seien als Primärmaterial – ein wichtiges Argument für die öffentliche Hand.

Gleichzeitig müsse man den Bauträgern, die RC-Materialien einsetzen, auch die Gewissheit geben, dass sie nicht in einigen Jahrzehnten auf Altlasten sitzen, die sie teuer entsorgen müssen. Rechtssicherheit sei beim Einsatz von Ersatzbaustoffen deshalb unbedingt zu gewährleisten. Derzeit werde eine bundesweite Regelung erarbeitet, welche auch den Einsatz von Ersatzbaustoffen mit Blick auf Boden- und Gewässerschutz regeln soll.

BRB und vero betonen, dass ein sparsamer und bewusster Umgang mit Primärrohstoffen geboten sei, damit auch künftige Generationen noch Abbaustätten nutzen können. Recycling gebrauchter und säuberlich getrennter Baustoffe sei ein wichtiges Element auf diesem Weg, zumal in einem dicht besiedelten und stark industriell geprägten Land wie Nordrhein-Westfalen. Die Landesregierung habe sich im Rahmen des Koalitionsvertrages 2012–2017 deshalb das Ziel gesetzt, die konsequente Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz zu stärken. Wiederverwendung, Recycling und Verwertung von Abfällen seinen wichtige Bestandteile der Umweltwirtschafts- und Klimaschutzstrategie des Landes. Diesen Zielen wolle der neue RC-Leitfaden dienen.

 Hier steht der RC-Leitfaden als Download zur Verfügung: www.vero-baustoffe.de

Joachim Mahrholdt

 

Infos zur BRB:

Die Bundesvereinigung Recycling-Baustoffe (BRB) e.V. vertritt bundesweit die Interessen der Recycling-Baustoff-Industrie in Deutschland. Gemeinsam mit ihren Landesmitgliedsverbänden – u.a. auch vero –  sowie ihren Direkt- und Fördermitgliedern verfolgt sie das Ziel, durch ein hochwertiges und umweltverträgliches Baustoff-Recycling, natürliche Ressourcen zu schonen und die Kreislaufwirtschaft zu fördern.

Hierzu engagieren sich die Mitglieder der BRB in den relevanten Gremien zur umweltbezogenen und technischen Regelsetzung auf nationaler und europäischer Ebene und stehen dabei im ständigen Dialog mit Behörden, Ministerien, Wissenschaft, Umweltorganisationen und Partnerverbänden der (Bau-)Wirtschaft.

 

Infos zum vero:

Der Verband der Bau- und Rohstoffindustrie e.V. (vero) vertritt die Interessen von rund 700 Unternehmen der Bau- und Rohstoffindustrie. Zu den von vero betreuten Mitgliedsunternehmen gehört auch die Recycling-Baustoff-Branche.

Der Verband setzt sich hierbei insbesondere für die entsprechenden Brancheninteressen ein und moderiert vermittelnd an den Schnittstellen von Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und der Öffentlichkeit.